_________Universalis

Synopsis der Philologie, Theologie & Religionswissenschaft 

 

ईश्वर  الله  ܐܠܗܐ  देव  ईश्वर  الله  اللّہ  خودا  גאט  Աստված  ღმერთი  神  พระเจ้า 

கடவுள்  Бог  Таҥара  Tanrı  Diu  Deus  Gott  God  Diyos

"Der Unterschied zwischen Freiheit und Freiheiten ist so gross

wie zwischen Gott und Göttern." - Ludwig Börne, Theaterkritiker

"Die Religion ist die einzige Metaphysik, die das Volk imstande ist,

zu verstehen und anzunehmen." - Joseph Joubert, Moralist und Essayist

Die Kulturgeschichte zeigt einen gesellschaftlichen Bedarf an sakralen Orten und Riten,

an entsprechender Sprache und Personal, der weder von der Politik noch

von einem anderen gesellschaftlichen System befriedigt werden kann.

Prof. Paul Nolte beantwortet die Titelfrage "Brauchen wir einen religionsfreundlichen Staat?"

positiv. Grundsätzlich geht er dabei von den empirischen Befunden des

gesellschaftlichen Wandels aus, den er in verschiedenen Kapiteln pointiert darstellt.

Nur gilt das kaum für seinen Ausgangspunkt, die "Rückkehr der Religion".

Er hält sie für einen gesicherten Befund. Das scheint problematisch:

Es liegt wohl nur ein durch Migrationsphänomene und den fundamentalistischen Terror

erzeugter anhaltender Hype in den Medien vor.

Zum Beleg der Rückkehr der totgeglaubten Religion

sollte es weniger auf ein Reden über sie ankommen

als vielmehr auf ihre praktische Ausübung.

Diese Schwäche korrespondiert auffällig mit einer anderen:

"Religion leistet einen wesentlichen Beitrag zur Konstituierung

der bürgerlichen Gesellschaft", da sie für sie nützlich sei. Die Bedingungen der

"neuen Möglichkeitsräume" skizziert er knapp und plausibel durch den gesellschaftlichen

Wandel in vier verschiedenen Feldern: durch die Auflösung

traditionaler Vergesellschaftungsformen in Vereinen,

Gewerkschaften oder den Kirchen;

durch einen Mentalitätswandel im Übergang zu "postmateriellen Orientierungen";

durch den Verlust des Fortschrittsglaubens und die Konfrontation der Wissenschaft

mit ethischen Grundsatzfragen etwa in der Gentechnik;

durch die Auflösung der politischen Ersatzreligionen,

vor allem den Zusammenbruch des Sowjetkommunismus.

In diesen Dimensionen sieht Nolte zu Recht "Einbruchstellen"

für die Religion in die Bürgergesellschaft.

Diese bildet den Quellgrund nichtstaatlicher, sozialer Selbstorganisation der

mündigen Bürger. Hier bildet sich nach Nolte "in Institutionen der

Vergemeinschaftung" der Sozialkitt des sozialen Zugehörigkeitsempfindens.

Hier produziert die "Bürgergesellschaft einen ,moralischen Mehrwert’ von

Altruismus und Gemeinwohl", der sich nicht aus rationalen oder egoistischen

Überlegungen ergibt. Dieses für den Bestand des freiheitlichen Staates

grundlegende Bindemittel kann er nicht selbst erzeugen.

Nun droht die Quelle dieser Sinn- und Wertproduktion

wegen des gesellschaftlichen Wandels zu versiegen.

An dieser Stelle soll die Religion zum Tragen kommen,

da sie mit einer Fülle von Ehrenamtlichen und vielen sozialen Projekten

genau über die Ressourcen verfüge, die die Bürgergesellschaft benötige.

Die Religion produziere einen Wert für ihre Umwelt, der dieser sehr willkommen sei.

Indem der Staat die Religion fördere, unterstütze er die Bürgergesellschaft

– der Staat wird zum "Sponsor der Bürgergesellschaft".

Es kann allerdings nicht überzeugen, wenn Nolte die Religion mit einem Argument

privilegieren will, das auch für andere Systeme der Gesellschaft gilt.

Genauso könnte man etwa für den Sport argumentieren,

wo ein hohes Maß an bürgerschaftlichem Engagement zu finden ist,

wo Hilfsbereitschaft, Solidarität, Verantwortung und Leistungsbewusstsein gelernt und praktiziert werden.

 

 

Abraham ‏אַבְרָהָם‎  ist das Eponym des Judentums, Christentums und Islams.

Abraham war ein Nachkomme von Noahs Sohn, Shem.

Sara שָׂרַי  war die Mutter von Isaak.

Yēšūă ישוע‎ / Iēsous Christos Ἰησοῦς Χριστός

war ein Nachkomme von Abraham über Isaak.

Muhammad محمد, "das Siegel der Propheten" ‏,خاتم النبيين

war ebenfalls Nachkomme von Abraham über Ishma'el إسماعيل‎ .

Im Islam ist Abraham ‏إبرَاهِيم‎  anerkannt als ein Prophet, Patriarch und Bote,

Archetyp des vollkommenen Muslims, und Reformer des Kaaba in Mekka.

Alle Muslime in der ganzen Welt blicken auf die Kaaba

während der Gebete, wo immer sie sind. 

 

 

 

Im Alten Israel vor 3000 Jahren gab es eine der ersten Sozialgesetze,

die die Fremden, die Armen, die Unmündigen, die Sklaven,

die Witwen und Waisen schützen sollten.

Mit dem Einfluss des griechischen Hellenismus

und des römischen Gesetzes auf

das Volk Israels vor 2.000 Jahren fingen die jüdischen Rabbis an,

sich mehr darauf zu konzentrieren, wer dazu gehört und wer nicht.

In dieser Zeit der Geldwechsler zogen der Zimmermann Joseph und

die 14-jährige Jungfrau Maria nach Bethlehem, wo

Christus als "Heilmittel" hineingeboren wurde.

Sich gegenseitig zu beschenken zu Heilig Abend ist ein Ritual zum Gedenken

an das Christkind, das von den Astronomen aus Babylon beschenkt wurde.

 

Aus Dankbarkeit, dass Gott ihre Tochter Maria / Mariam ܡܪܝܡ

vor den Soldaten des Königs Herodes gerettet hat, schicken Anna und Joachim

Maria in den Tempel nach Jerusalem. Hier wird sie vom weisen Simeon erzogen.

Jahre später kehrt sie als Jugendliche nach Nazaret zurück.

Hier verlobt sie sich mit dem Zimmermann Yosef יוֹסֵף .

Eben zu jener Zeit wird die Mutter von Maria Magdalena Μαρία ἡ Μαγδαληνή,

einer Freundin Marias, wegen Ehebruchs zu Tode gesteinigt.

Da Magdalena genug hat vom Dorfleben Nazareths,

schließt sie sich einer Karawane an, in der eine ihrer Verwandten,

Herodias, auf dem Weg nach Jerusalem ist. In Jerusalem verliebt sich

Magdalena in Antipatros, einem Sohn von König Herodes dem Großen.

Herodias legt ohne Magdalenas Wissen Antipatros eine Falle und schiebt ihm

ein geplantes Giftattentat auf seinen Vater in die Schuhe.

Dies hat zur Konsequenz, dass Herodes seinen Sohn Antipatros töten lässt.

In Nazareth erscheint Maria der Engel Gabri'el und verkündet der jungen Frau,

dass sie dem Sohn Gottes das Leben schenken soll.

Zunächst möchte Josef seine Verlobte wegen Ehebruchs verstoßen, doch nach

einem Traum, in dem Gott ihn ermutigt hat, heiratet er Maria.

Einige Monate später ergeht der Aufruf des römischen Kaisers zu

einer Volkszählung. Josef und Maria reisen nach Bethlehem, wo in

einem Stall Jesus geboren wird.

Doch Herodes der Große, der nach dem gescheiterten Giftattentat auf

seine Person fürchtet, die Macht zu verlieren, lässt,

nachdem er von Weisen aus dem Morgenland von der Ankunft des Messias

erfahren hat, in Bethlehem alle männlichen Kleinkinder

in Jesu Geburtsstadt töten. Josef und Maria fliehen mit Jesus nach Ägypten.

Erst nach dem Tod von Herodes, als Jesus bereits 7 Jahre alt war,

kehren sie nach Nazareth zurück.

Maria und Josef haben anscheinend keine weiteren Kinder.

Der Zimmermann Josef stirbt nach einem Arbeitsunfall.

Dreißig Jahre später beginnt Jesus sein Werk.

Er zieht durch Israel, predigt, vollbringt Wunder und

sammelt Anhänger um sich. Maria verfolgt dabei den Werdegang ihres Sohnes.

Magdalena ist inzwischen mit Joazar, einem der Hauptmänner des neuen Königs

Herodes Antipas, verheiratet. Sie erfährt von Jesus und weiß, dass er ein

besonderer Mann, vielleicht sogar der Messias selbst ist.

Doch auch Johannes der Täufer, der am Jordan die Menschen tauft

und gegen Herodes und dessen Zweitfrau Herodias wettert,

wird von den Menschen geliebt. Herodias greift wieder auf Magdalena zurück.

Sie gibt ihr Geld, damit Maria Menschen besticht, Falschaussagen über

Johannes zu verbreiten. Herodias verspricht ihr im Gegenzug,

dass Johannes nicht getötet wird.

Doch es kommt anders: Johannes wird verhaftet.

Auf einem Essen zu Herodes’ Geburtstag tanzt Salome, Herodias’ Tochter,

so anmutig, dass Herodes ihr die Erfüllung eines Wunsches verspricht.

Sie wünscht sich Johannes’ Kopf. Magdalena verlässt daraufhin weinend,

wissend, dass sie hereingelegt wurde und an seinem Tod mitschuld war,

die Königsfestung. In einer nahen Stadt beginnt sie,

als Prostituierte zu arbeiten.

Als Joazar, ihr Ehemann, sie nach Tagen der Suche im Bordell antrifft,

gibt er den Befehl, dass sie, wie einst ihre Mutter, gesteinigt werden soll.

Doch gerade in diesem Moment erscheint Jesus.

Er rettet Maria Magdalena das Leben, indem er denjenigen auffordert,

den ersten Stein zu werfen, der ohne Sünde sei.

Maria Magdalena begleitet daraufhin Jesus und seine Jünger.

Auch trifft sie ihre Freundin, Maria, Jesu Mutter, wieder.

Mit Jesus brechen sie nach Jerusalem auf.

Hier erfahren sie eines Nachts von Jesu Jünger Johannes,

dass Jesus im Garten Gethsemane verhaftet wurde.

Die beiden Frauen und Johannes begleiten daraufhin Jesus bis zu

dessen Kreuzigung. Drei Tage später steht Jesus von den Toten auf.

 

 

 

12 Millionen Filipinos bei den Weltjugendtagen 1995 und 2015 in Manila

 

Eine Zusammenfassung von Umfrageergebnissen aus verschiedenen Staaten

ergab 2007, dass es weltweit zwischen 505 und 749 Millionen Atheisten und

Agnostiker gibt. Laut der Encyclopædia Britannica gab es 2009 weltweit

640 Millionen (9,4 %) Nichtreligiöse und Agnostiker,

und weitere 139 Millionen (2,0 %) Atheisten, hauptsächlich in China.

Demnach glauben knapp 90 % der Weltbevölkerung an einen Gott.

Bei einer Eurobarometer-Umfrage im Jahr 2005 wurde festgestellt,

dass 52 % der damaligen EU-Bevölkerung glaubt, dass es einen Gott gibt.

Eine vagere Frage nach dem Glauben an „eine Art Geist oder Lebenskraft“

wurde von weiteren 27 % positiv beantwortet.

Die Umfrage ergab, dass der Glaube an Gott in Staaten mit starkem kirchlichen

Einfluss am stärksten verbreitet ist, dass mehr Frauen (58 %)

als Männer (45 %) an einen Gott glauben, und dass der Gottglaube mit höherem Alter,

geringerer Bildung und politischrechtsgerichteten Ansichten korreliert.

 

Viele Christen sagen, es ist wichtig, ganz besonders streng zu glauben und

zu zeigen, dass man katholisch ist. Die anderen sagen, wir müssen den Prozess

der Verheutigung des Glaubens noch mal neu durchführen.

Zwei unterschiedliche Positionen, die sich noch in der katholischen Kirche unversöhnlich

gegenüber stehen. Im Christentum bedeutete das oft genug,

"dieselbe Bibel anders zu lesen", sagt Hubert Schleichert.

"Das tiefste und erhabenste Gefühl, dessen wir fähig sind,

ist das Erlebnis des Mystischen. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von

wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr

wundern, nicht mehr staunen kann, der ist fast blind.

Das Erlebnis des Geheimnisvollen

- wenn auch mit Furcht gemischt - hat auch die Religion gezeugt.

Das Wissen um die Existenz des für uns Undurchdringlichen,

der Manifestationen tiefster Vernunft und leuchtendster Schönheit,

die unserer Vernunft nur in ihren primitivsten Formen zugänglich sind,

dies Wissen und Fühlen macht wahre Religiosität aus." - Albert Einstein

 

Auf Reflexion

Die Schöpfung wird als eine Ganzheit dargestellt,

zu der das Phänomen der Zeit gehört.

Die sieben Tage sind ein Bild für eine Ganzheit,

die sich in der Zeit entfaltet. Sie sind hingeordnet auf den siebten Tag,

den Tag der Freiheit aller Geschöpfe füreinander.

Schöpfung ist also ausgerichtet auf das Miteinander;

sie ist da, damit ein Raum der Antwort auf die große Herrlichkeit sei.

Zum anderen hören sie in der Osternacht vom Schöpfungsbericht

vor allem den ersten Satz: "Gott sprach: Es werde Licht" (Gen 1, 3).

Der Schöpfungsbericht beginnt zeichenhaft mit der Schöpfung des Lichts.

Sonne und Mond werden erst am vierten Tag erschaffen.

Der Schöpfungsbericht nennt sie Lampen,

der Schöpfer am Himmelsgewölbe aufgehängt hat.

Er nimmt ihnen damit bewusst den göttlichen Charakter,

den ihnen die großen Religionen beigelegt hatten.

Sie sind keine Götter. Sie sind leuchtende Körper.

Ihnen voraus aber geht das Licht, durch das Gottes Herrlichkeit sich im Wesen

des geschöpflichen Seins widerspiegelt.

Was will der Schöpfungsbericht damit sagen? Licht ermöglicht Leben.

Es ermöglicht Begegnung. Es ermöglicht Kommunikation.

Es ermöglicht Erkenntnis, Zugang zur Wirklichkeit, zur Wahrheit.

Und indem es Erkenntnis ermöglicht, ermöglicht es Freiheit und Fortschritt.

Das Böse verbirgt sich. Licht ist daher auch Ausdruck für das Gute,

das Helligkeit ist und schafft. Es ist Tag, an dem wir zu wirken vermögen.

Dass das Licht geschaffen wurde, bedeutet:

Der Schöpfer hat die Welt als einen Raum der Erkenntnis und der Wahrheit,

als einen Raum der Begegnung und der Freiheit,

als Raum des Guten und der Liebe geschaffen.

Der Grundstoff der Welt ist gut, das Sein selber ist gut.

Und das Böse kommt nicht aus dem von Gott geschaffenen Sein,

sondern es existiert aufgrund der Verneinung.

Mit der Auferstehung Jesu ist das Licht selbst neu geschaffen.

Fiat lux – Es werde Licht.

Das eigentlich bedrohliche Dunkel für den Menschen ist es doch,

dass er zwar die greifbaren materiellen Dinge sehen und untersuchen kann,

dass er aber nicht sieht, wohin die Welt geht und woher sie kommt.

Wohin unser eigenes Leben geht. Was das Gute und was das Böse ist.

Das Gottesdunkel und das Wertedunkel ist

die eigentliche Bedrohung unserer Existenz und der Welt überhaupt.

Wenn die Werte, der Unterschied von Gut und Böse dunkel bleiben,

dann sind alle anderen Erleuchtungen, die uns ein so unglaubliches Können

ermöglichen, nicht nur Fortschritte, sondern zugleich Bedrohungen,

die uns und die Welt gefährden.

Wir können heute unsere Städte so grell erleuchten,

dass die Sterne des Himmels nicht mehr sichtbar sind.

Wir wissen und können in den materiellen Dingen unerhört vieles,

aber was darüber hinausgeht vermögen wir nicht mehr zu identifizieren.

Der Religion gegenüber erlebt man eine Gleichgültigkeit,

die bei ihren Entscheidungen die Wahrheitsfrage eher als

ein Hindernis ansieht und statt dessen Nützlichkeitserwägungen den Vorrang gibt.

Es bedarf aber für unser Zusammenleben einer verbindlichen Basis, sonst lebt jeder

nur noch seinen Individualismus. Die Religion ist eine dieser Grundlagen für ein

gelingendes Miteinander. "Wie die Religion der Freiheit bedarf, so bedarf auch

die Freiheit der Religion". Dieses Wort des Bischofs und Sozialreformers

Wilhelm von Ketteler ist heute nach wie vor aktuell.

Freiheit braucht die Rückbindung an eine höhere Instanz.

Daß es Werte gibt, die durch nichts und niemand manipulierbar sind,

ist die eigentliche Gewähr unserer Freiheit.

Der Mensch, der sich dem Wahren und dem Guten verpflichtet weiß,

wird dem sofort beipflichten: Freiheit entfaltet sich nur in der Verantwortung vor

einem höheren Gut. Dieses Gut gibt es nur für alle gemeinsam;

deshalb muß ich immer auch meine Mitmenschen im Blick haben.

Freiheit kann nicht in Beziehungslosigkeit gelebt werden.

Im menschlichen Miteinander geht Freiheit nicht ohne Solidarität.

Was ich auf Kosten des anderen tue, ist keine Freiheit,

sondern schuldhaftes Handeln, das den anderen und auch mich selbst beeinträchtigt.

Wirklich frei entfalten kann ich mich nur,

wenn ich meine Kräfte auch zum Wohl der Mitmenschen einsetze.

Das gilt nicht nur für den Privatbereich, sondern auch für die Gesellschaft.

Diese hat gemäß dem Subsidiaritätsprinzip (das soziologische Prinzip,

Verantwortlichkeiten auf die kleinst mögliche Ebene oder Verwaltungseinheit

zu verlagern) den kleineren Strukturen ausreichend Raum zur Entfaltung

zu geben und zugleich eine Stütze zu sein,

damit sie einmal auf eigenen Beinen stehen können.

Der klare Blick auf die dunklen Seiten eines Landes ermöglicht uns,

aus der Vergangenheit zu lernen und Anstöße für die Gegenwart zu erhalten.

Die Republik ist durch die von der Verantwortung vor Gott

und voreinander gestaltete Kraft der Freiheit zu dem geworden, was sie heute ist.

Sie braucht diese Dynamik, die alle Bereiche des Humanen einbezieht,

um unter den aktuellen Bedingungen sich weiter entfalten zu können.

Sie braucht dies in einer Welt, die einer tiefgreifenden kulturellen Erneuerung

und der Wiederentdeckung von Grundwerten bedarf. (Caritas in Veritate, 21)

 

Die Sozialdienste sind an die Stelle einer Instanz getreten, die vorher dafür

sorgte, dass man selber nachdachte und sich anstrengte: das Gewissen.

Das Gewissen ist eine anspruchsvolle, durchaus moderne Einrichtung,

die sich nicht einfach "aus dem Leben" ergibt.

Ohne eine moralische Ressource ist unsere angeblich

so vielfältige und informierte Gegenwart arm an großen Motiven.

Das Gewissen bedarf eines äußeren Halts und hier wird die Kraft

des religiösen Glaubens zu einer Ressource im Böckenfördeschen Sinn.

"Wenn man glaubt, dass das Leben in einer größeren Geschichte zählt und

dass es von einem höheren Gericht beurteilt wird, wird das die

moralische Kraft, für ein Ziel auch Opfer zu bringen, stärken.

Der Mensch müsse dann nicht bei jeder einzelnen Angelegenheit

betreut und motiviert werden."

Eine Religion kann großzügiger und nachhaltiger wirken als

der ganze kleinliche Forder- und Förderüberbau der Zeit.

Diese Bedeutung des religiösen Glaubens war der Grundgedanke in Max Webers

"Protestantischer Ethik". Diese Argumentation, die nicht auf

einzelne Gebote abstellte, kann auch für andere Konfessionen gelten.

"Wenig Philosophie entfernt von der Religion, viel Philosophie

führt zu ihr zurück." - Francis Bacon, Philosoph

Die erste narzisstische Kränkung ist die unübersehbare Lebendigkeit

der totgehofften Religion. Überzogene Religionskritik ist oft

mit einem instabilen Selbstwertgefühl verbunden.

Die Neurobiologie zeigt, dass religiöse Gefühle in unseren Köpfen

Ordnung schaffen, während der Meditation oder des Gebets schwingen sich

weite Bereiche der Großhirnrinde aufeinander ein, der Kopf arbeitet synchroner.

Die Neurotheologie zeigt, dass Atheisten tatsächlich weniger

emotionale Regungen im Gehirn aufweisen, als religiöse Menschen.

Nietzsche zum Trotz blühen die Religionen aber weltweit.

Die geistliche Emergenz in China, Afrika und Lateinamerika sind

Heilungsbewegungen, die nicht von oben bestimmt,

sondern von unten gelebt werden.

Über das Ringen um individuelles Leben und seine Freiheit schrieb Søren Kierkegaard:

"Das Leben wird nach rückwärts verstanden und nach vorne gelebt."

Die Renaissance des Religiösen wurde als bedrohlich erlebt,

da das idealisierte Selbstbild des modernen Menschen vorgibt,

diese Transzendenz nicht mehr zu benötigen, weil ja die Wissenschaft

jegliches Übernatürliche wegrationalisiert habe.

In die Abwehr der schmerzhaften Realität, dass jedem Menschen

eine natürliche Religiosität innewohnt, die Victor Frankl in seinem Buch

"Der unbewusste Gott“ beschrieben hat, wird viel Kraft investiert.

Diese Abwehrkräfte können als antireligiöse Affekte wahrgenommen werden.

Da sie irrational und daher unbegründbar sind, verlieren sie sich häufig in einer

überzogenen Affektivität im Sinn einer emotionalen Aufgeregtheit und

Betroffenheit, um sich der rationalen Diskussion zu entziehen.

Tatsächlich werden dem Religiösen viele pseudorationale Scheinargumente

an den Kopf geworfen, die aus den irrationalen Quellen

eines schmerzhaft gekränkten Narzissmus stammen. 

In der Geschichte hatten sich progressive und konservative

Trends stets abgewechselt. Religiös eingestellte Menschen haben im Grunde

eine philosophische Disposition und stellen sich immer die gewollt

gekünstelten Fragen: Woher wir kommen, Wer wir sind,

Wohin wir gehen und das Warum?

Die Schrift ist geboten, um eventuell den Glauben an das 'Herz Jesu' erstreben

zu können, aber nur da sich zu verbeissen in Buchstaben,

das war noch nie katholisch und wird es auch nicht sein.

Religion ist etwas, was in Kommunikation mit

seinem Innersten und Höchsten Selbst geschieht.

Unsere dogmatischen Glaubensanschauungen stellen

den Höhepunkt des von sich selbst getrennten Seins dar.

Durch das "Tor zur echten Freiheit" drückt man

seine Affirmation auch mal sporadisch aus.

Sich von Menschen und deren Denken abhängig zu machen, sei wertlos.

Jesus stellt den Andersgläubigen als Vorbild in der konkreten Tat dar.

Die helfende Tat wird höher bewertet als das richtige Bekenntnis.

Die Geschichte vom Samariter ist bis heute das nahezu sprichwörtliche Beispiel

für Barmherzigkeit und Nächstenliebe und ein immerwährender Anstoß

zu Selbstkritik und Buße der Christen.

Auch an dieser Stelle hat die Heilige Schrift für Christen Gültigkeit.

Sie achten nicht nur die Gewissensentscheidung jedes Menschen,

sie begegnen ihm auch mit Achtung, wenn er anders glaubt.

Diese Einstellung widerspreche nicht dem biblischen Zeugnis,

sie sei diesem vielmehr verpflichtet. Achtung vor Menschen

mit einem anderen Glauben sei in der Tat ein biblisches Prinzip.

Jeder Mensch habe durch seine Gottesebenbildlichkeit

dieselbe menschliche Würde.

Der religiöse Charakter kennt keinen Neid

und akzeptiert das, was alle Völker im Innersten zusammenhält.

Die Nächstenliebe ist immer die höchste Priorität einer Religion.

Es geht immer darum, unseren Ego zu überwinden, uns alle als Eins zu verstehen.

Der Gott des Islam ist ein Gott, der die Menschen um Erkenntnis

über seine Existenz zu gewinnen, zum Gebrauch des Verstandes aufruft.

Man soll das Gottesbild im Islam von Vernunft und Reflexion Gebrauch machen.

Das Sprichwort "Vor Gott sind wir alle gleich!" gehört zum Islam.

 

Judentum und Islam erinnern ausgerechnet das Christentum,

die Religion der Inkarnation, an seine Fleischvergessenheit.

Gott ist nicht ein bloßes Kopfprodukt, ein Gegenstand von reiner Lehre und

Rechtfertigung. Religion hat ihren Sitz im wirklichen, gelebten Leben,

in Praktiken, Ritualen, in Haltungen.

Judentum und Islam erinnerten das Christentum an die "Körperlichkeit".

Der 'ewige, uralte, bewährte Weg', die "profanen, losen Geschwätze der falsch

berühmten Kunst" zu meiden und sich für die "inneren Lehrer" zu öffnen,

durch Atemübungen, Lichtübungen,

aufmerksames Bewusstsein und Macht über den Verstand.

Die Schamanen von heute werden als Profiler, Mentalisten oder Hypnotiseure bezeichnet.

Die Weltreligionen stammen aus unterschiedlichen Kulturkreisen,

haben aber ein ähnliches Ideal der Liebe.

Sie ist die verbindende Kraft, die alle anderen Unterschiede übersteigt.

Der letzte Sinn ihrer religiösen und spirituellen Übungen ist die tätige Nächstenliebe.

Trotz aller philosophischer Unterschiede

ist es die wichtigste Aufgabe aller Glaubensrichtungen,

einen Beitrag zu einer glücklicheren und friedlichen Welt zu leisten.

Die Botschaft Buddhas lautet, dass jeder sich in die Leiden und Nöte

der anderen einfühlen und sie zu den seinen machen sollte.

In der Buddhistischen Tradition ist das der Wunsch, die Erleuchtung aus uneigennützigen

Beweggründen zu erlangen, um alle Wesen vom Leiden zu befreien.

Durch die aufrichtige Hilfe für andere, wird man selbst auch glücklich.

Für einen selbst ist seine persönliche Integrität,

die Echtheit seiner Beweggründe, ausschlaggebend.

Alle Menschen sollen sich weiter entfalten und sich mit der Welt verbinden.

Für den Führer eines Volkes ist es wichtig, mit den einfachen Leuten verbunden

zu sein. Leicht kann man von den Beratern und Beamten beeinflusst werden,

Entscheidungen nach ihren eigenen Interessen zu treffen..

 

"Es ist beeindruckend, wie die Christen weltweit in vielen Hilfsorganisationen

praktische Hilfe leisten. Mutter Teresa ist ein Vorbild dafür,

wieviel man mit der spirituellen Kraft erreichen kann.

Besonders beeindruckt hat mich ihre Demut.

Aus buddhistischer Sicht ist Mutter Teresa ganz sicher ein Bodhisattva.

Sie hat ihr Leben ausschliesslich den Armen geweiht,

das ist wahrhaft gelebtes Christentum.

Ich weiss nicht, ob ich selbst in der Lage wäre zu tun, was sie getan hat."

- Der Dala'i Lama  

 

 

 

 

Beim interreligiösen Dialog

geht es um die Geschichte vom barmherzigen Samariter,

in der Jesus den Andersgläubigen als Vorbild in der konkreten Tat darstellt.

Die helfende Tat wird dort höher bewertet als das richtige Bekenntnis.

Diese Erzählung Jesu ist bis heute das nahezu sprichwörtliche Beispiel für

Barmherzigkeit und Nächstenliebe und ein immerwährender Anstoß

zu Selbstkritik und Buße der Christen.

Auch an dieser Stelle hat die Heilige Schrift für Christen Gültigkeit.

Sie achten nicht nur die Gewissensentscheidung jedes Menschen,

sie begegnen ihm auch mit Achtung, wenn er anders glaubt.

Diese Einstellung widerspreche nicht dem biblischen Zeugnis,

sie sei diesem vielmehr verpflichtet. Achtung vor Menschen

mit einem anderen Glauben sei in der Tat ein biblisches Prinzip.

Jeder Mensch habe durch seine Gottesebenbildlichkeit dieselbe menschliche Würde.

 

Volf, einer der führenden christlichen Theologen der Welt,

der in der Yale Universität Systematische Theologie lehrt und

ein Seminar zusammen mit dem ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair

über Glaube und Globalisierung leitet, geht darin der Frage nach,

wie Christen und Muslime die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ihren

Religionen bewerten und was daraus für den Umgang mit dem jeweils anderen und

das Zusammenleben in einer pluralistischen, multireligiösen Gesellschaft folgt.

Volf beginnt mit Rick Warren und dessen Gebet zur Amtseinführung von

Barack Obama. Warren wurde von Rechtsevangelikalen hart angegangen,

weil er in diesem Gebet eine Wendung gebrauchte

(“you are the compassionate and merciful one”),

die in zahlreichen Suren des Koran erscheint.

Gleich zu Anfang legt Volf die Karten auf den Tisch:

- Für ihn geht es trotz zahlreicher Unterschiede um ein und denselben Gott

- Die Dinge, die der Koran im Blick auf die Trinität ablehnt,

  würde auch kein Christ für richtig halten

- Sowohl Christen als auch Muslime beschreiben Gott als liebend und gerecht,

  auch wenn sie diese Begriffe etwas unterschiedlich füllen

- Beide glauben, dass Gott die Liebe zum Nächsten möchte,

  freilich wieder mit verschiedenen Nuancierungen

- die gemeinsame Werte reichen für ein zivilisiertes Zusammenleben aus

  und bedingen keinen unablässigen Kampf der Kulturen

- beide Seiten können sich als Verbündete sehen in der Auseinandersetzung

  mit einer Kultur, der es nur um das eigene Vergnügen und Wohlbefinden geht

- Liebe und Vertrauen zu Gott und Gehorsam gegenüber Jesus sind wichtiger

  als Religionszugehörigkeit und Etikettierungen

- Liebe und Gerechtigkeit erfordern es,

  dass Menschen ihren Glauben wählen, wechseln und öffentlich leben dürfen

- Das Glaubenszeugnis ist legitim,

  es darf weder unterdrückt noch lieblos ausgeübt werden

- Das Bekenntnis zu dem einen Gott, der alle Menschen liebt und für die da ist,

  führt zum Bekenntnis zu einer offenen, pluralistischen Gesellschaft

  und einem weltanschaulich neutralen Staat

Volf schreibt ein Buch über politische Theologie, nicht über Soteriologie.

Die Frage des ewigen Heils lässt er offen.

Ihn interessiert, ob und wo Christen und Muslime Gemeinsamkeiten entdecken können

und wie diese Gemeinsamkeiten zu einem friedlichen Zusammenleben beitragen.

Das Interessante wird sein, wie er das begründet.

Das Buch “Allah” ist die logische Weiterführung des Ansatzes von Miroslav Volf,

der mit “Exclusion and Embrace” begann, über “A common Word bewteen us”

(ein Meilenstein in der Geschichte des christlich-muslimischen Dialogs,

das unter seiner Federführung entstand) bis zu “The End of Memory”.

Was Volf in seinen Schriften und Initiativen in den letzten Jahren

zwischen Muslimen und Christen angestoßen hat,

sucht man vergeblich auf dem Markt des Interreligiösen Dialogs hierzulande.

Wahrscheinlich weil man weder das eigene Potential des Ausschlusses nicht reflektiert,

noch die Arme für den anderen öffnet,

wie Volf es mit dem wunderschönen Bild von “Embrace” tut.

Dass Volf die Problematik nicht von der Soteriologie oder

der dogmatischen Rechtgläubigkeit, sondern von den beiden Bekenntnissen her

eine Ethik des Miteinanders entfaltet ist bemerkenswert.

Dass Jesus Gottes Sohn ist und nur er die Schuld eines Menschen vergeben kann,

ist Zentrum des christlichen Glaubens.

Ein Dialog zwischen den Religionen ist zwar sehr wichtig,

nur muss man darauf achten, dass das Beseitigen vom sogenannten Ärgernis

des Kreuzes nicht zwangsläufig zur Verleugnung des christlichen Glaubens führt.

 

 

 

Alle Weltreligion ist Eine Religion:

                                        Christentum

                    Äusserliche Mysterien - Bibel - Literalismus

                              Innere Mysterien - Gnostik

                                            Logos

               Judentum                                             Islam

             Talmud - Torah                          Kor'an - Zahir - Fünf Säulen

                Kabbalah                                    Sufi - Shiite - Batin

                 Ein Sof                                               Allah

              Daoismus                                         Buddhismus

 Chuan(zen) - Mystischer Daoismus           Mahayana - Hinayana

           Volks-Taoismus                                     Vajrayana

                                           Hinduism 

                      Bhagavad Gita - Volks-Hinduismus - Bhakti

                                   Tantra - Upanishads

                                           Brahman 

 

 

Die UN-Vollversammlung hatte im Oktober 2010 auf Antrag Jordaniens

einstimmig die erste Woche im Februar zur

"interreligiösen Woche der Harmonie" erklärt.

Der Weltkirchenrat und muslimische Organisationen betonten

auf einer gemeinsamen Konferenz

im November 2010 in Genf, dass sie das Projekt unterstützen.

Dabei treffen auf Initiative der Vereinten Nationen

überall auf der Welt Religionsvertreter zum Dialog zusammen.

Die Kirchen sollten Brücken zu anderen Religionsgemeinschaften bauen

und das gegenseitige Verständnis fördern.

Mit dem Papst werden Repräsentanten von Judentum, Islam, Buddhismus,

Taoismus, Konfuzianimus und Hinduismus ihren Einsatz für Frieden bekräftigen.

Erstmals lud der Papst zum diesjährigen

Treffen auch nichtgläubige Menschen ein.

Das Eintreten der Religionen für Frieden sei angesichts

wachsender Herausforderungen durch die Finanzkrise, den Niedergang politischer und

gesellschaftlicher Institutionen, Hunger und Migration sowie

heimtückische Formen des Neokolonialismus unverändert nötig.

Gewalt zwischen Religionen ist ein Skandal, der die wahre Identität der Religion

verfälscht und vom Glauben entfernt.

 

 

 

Religiöse Tugenden

Es gibt zwei radikal unterschiedliche Wege, wie Gott zu sein:

der Weg "der Gotteserkenntnis"

(in dem Sinne, dass ich den Schleier seines Geheimnisses lüfte,

selbst die Gewissheit des Wissens erlange, selbst entscheiden kann,

was gut und was böse ist) oder der "Weg des Seins" - wie Gott sein,

indem ich mit meinem Handeln der törichten, paradoxen Logik der Liebe folge.

Den ersten bot Satan dem Adam im Paradies an

(ihr werdet wie Gott sein und erkennt gut und böse),

den anderen bietet Jesus an (seid wie mein himmlischer Vater,

der seine Sonne scheinen und den Regen auf die Guten wie die Bösen fallen lässt).

Den zweiten, törichten Weg - denn er konnte schwer anders enden als am Kreuz

- begreift Paulus sehr gut und radikalisiert ihn: Die törichte Sache Gottes ist stärker

als die Sache der Menschen. - Tomas Halik, "Geduld mit Gott"

"Wenn du viel weisst und zur gesellschaftlichen Oberschicht gehörst,

darfst du nicht eine Sekunde vergessen:

Je höher jemand steht, desto mehr muss er den anderen dienen.

Die grösste Bestimmung des Menschen ist die Berufung zur Liebe.

Die Liebe ist der Sinn des menschlichen Lebens.

Sie ist der Wesensgrund der Würde des Menschen,

der Beweis des Adels seiner Seele." - Johannes Paul II.

"Den größten Reichtum hat, wer arm an Begierden ist." - Lucius Seneca,

Philosoph, Dramatiker, Naturforscher, Politiker

"Reich ist man nicht durch das, was man besitzt, sondern mehr noch

durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß." - Epikur

"Meine Armut ist mein Stolz" - Der Prophet Mohammed

Dem Kor'an zufolge:

Zu jenen, die Unsere Zeichen zurückweisen und sie mit Arroganz erörtern,

kein Öffnen des Tores zum Himmel wird sein, noch werden sie den Garten betreten,

bis der Kamel durch das Nadelöhr gehen kann:

Solches ist Unser Entgelt für jene in der Sünde.

"Das Nadelöhr" ist ein Teil der Aussprüche Jesu

aufgezeichnet in den Synoptischen Evangelien:

"Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe,

denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme." (Mat 19:23)

"Die Philosophen verdammen den Reichtum nur,

weil wir ihn schlecht gebrauchen." François de La Rochefoucauld

"Konservative" Pfingstkirchen mit ihren "reaktionären Geschlechterrollen"

propagierten Werte wie Fleiß und Disziplin.

Das führe zu einer nachweislich sozialen Verbesserung

der Lebenssituationen ihrer Mitglieder.

Ob ressourcenschonender Umgang mit Wasser,

der Genuss beim Verzicht aufs Auto oder eine neue Lebensintensität durch Fasten:

Aus der Sicht von Moraltheologen bietet die Religion einige Ansatzpunkte

für einen nachhaltigeren Lebensstil.

Konsumgüter als götzenhafte Goldene Kälber und

Religion als Motivation zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen

in einer modernen Gesellschaft: Religiöse Tugenden könnten zu

einem nachhaltigeren Umgang mit der Natur verhelfen.

Die Klöster waren damals die mittelalterliche Google.

Religion hat einen großen Erfahrungsschatz,

der über viele Jahrhunderte gewachsen ist und darauf hinaus läuft,

dass der Einzelne sich einschränkt zugunsten der Bedürfnisse der Gemeinschaft,

der Schöpfung und aller Lebewesen auf der Erde.

Es war schon immer eine Frage von Religion

- nicht nur der christlichen, sondern auch der anderen -,

wie der Mensch im Umgang mit begrenzten Ressourcen glücklich werden kann.

Christliche Spiritualität hat Strategien entwickelt, die dazu verhelfen können.

Eine lautet: Weniger ist mehr.

Wenn ich faste, kann ich Dinge, die ich esse, mehr schätzen,

bewusster wahrnehmen und den Geschmack intensiver empfinden

und so zu einer intensiveren Lebensqualität kommen.

Die Strategie wäre, im Verzicht eine

neue Lebensperspektive, -qualität und -intensität

zu entdecken und letztlich etwas zu gewinnen.

Der klassische Begriff der Askese meint ein Verhalten,

das einen zu größerer Freiheit bringt.

Diese Bedeutung ist leider in

unserer gesellschaftlichen Wahrnehmung verloren gegangen.

Wir verstehen unter Askese meistens nur das Negative

- "Das darfst Du nicht. Das sollst Du nicht" -,

und dass das Leben damit weniger lebenswert wird.

Es geht darum, positive Lebensdimensionen zu entdecken

und dann womöglich auch über die Fastenzeit hinaus

unseren Lebensstil ein Stück weit zu verändern.

Man schlägt vor, ein Leben im Sinne der Nachhaltigkeit

nach bestimmten Tugenden bzw. Grundhaltungen auszurichten.

Dazu zählen neben Ehrfurcht und Maßhaltung auch Demut und Opferbereitschaft.

Die erwähnten Tugenden umfassen

Ehrfurcht, Dankbarkeit, Empathie, Maßhaltung, Demut und Opferbereitschaft.

Alle lassen sich mit Nachhaltigkeits- und Umweltthemen verknüpfen:

zum Beispiel in der Ehrfurcht vor der Schöpfung,

dem Mitgefühl für Tiere, der Selbstbegrenzung,

um anderen Menschen ebenfalls ein würdiges Leben zu ermöglichen,

oder der Sichtweise eines "Weniger ist mehr".

In der Ethik werden solche Werte deswegen entwickelt,

weil sie nicht von allen gelebt werden.

Sonst bräuchten wir diese Werte nicht formulieren und keinen Appell aussenden.

Das Spezifikum der Theologie liegt nicht darin, dass sie Nachhaltigkeit fordert,

sondern dass sie auch bestimmte günstige Rahmenbedingungen und

Strategien benennen kann, mit denen man zu einem nachhaltigen Lebensstil kommt.

Die Vereinten Nationen beziehen die großen Weltreligionen in

verschiedene Initiativen und Gespräche mit ein und überlegen mit ihnen gemeinsam,

welche Strategien helfen, hier weiter zu kommen.

In muslimischen Ländern zum Beispiel herrscht häufig große Wasserknappheit.

Das Spezifikum der Religion liegt darin, dass sie motivieren kann,

vorausgesetzt natürlich, dass die Menschen religiös offen sind.

Die Religion spielt eine Rolle, allerdings in einer aufgeklärten Gesellschaft.

Es geht nicht um ein Monopol der Religion auf Strategien zur Nachhaltigkeit.

In einer postmodernen Gesellschaft ist Religion eine wichtige gesellschaftliche Kraft,

de facto die größte Nichtregierungsorganisation.

Das anzuerkennen heißt ja nicht, den Menschen abzusprechen,

dass man sich auch gegen die Religion entscheiden kann.

Es heißt nur, positiv wahrzunehmen,

dass Religion etwas zur Gestaltung von Gesellschaft beiträgt.

Die Leute werden weniger religiös im Sinne von verfasster,

von stark institutionalisierter Religiosität.

In der Religion liegt ein Potenzial, dass das biblische Goldene Kalb,

wie das Auto oder Handy, hinterfragt. Letztlich versklavt uns ja ein Gut,

wenn wir es vergöttern und wir werden unfrei dabei.

Religion ist ja von ihrer Grundidee her bemüht, Menschen frei und mündig zu machen,

auch wenn das in der Geschichte oft verschleiert wurde.